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Inszenierung und Fassung: Ingo Berk


Das Buch vereint Schönheit und Schrecken, zeigt beide Seiten des amerikanischen Traums, des Traums reich zu werden, um seine Träume verwirklichen zu können. Traum und Trauma verweben sich unauflöslich in dieser Geschichte und am Ende haben wir Aufstieg und Fall eines unermesslich reichen und moralisch dubiosen Mannes erlebt. Mit trauriger Raffinesse inszenierte Gatsby seine Lebenslüge, die seinem Wunsch nach Anerkennung, nach Reichtum, nach Dazugehörigkeit und Liebe entspringt. Jay Gatsbys Ziel, die Eroberung seiner unvergessenen Jugendliebe, ist zerbrochen. Er musste erkennen, dass man sich für Geld nicht alles kaufen kann, schon gar nicht die Liebe. Und doch: Gatsby, ein zwielichtiger Charakter, kann noch träumen. Auf der Suche nach seiner verlorenen Liebe gibt er sagenhafte Partys, über seine Herkunft und die seines Reichtums kursieren ebenso sagenhafte Gerüchte. Dass sein Bild von der angebeteten Frau die Wirklichkeit verkennt, ja dass Daisy eigentlich dieser Liebe unwürdig ist, kann seinen Traum, die Vergangenheit wieder zurück zu holen, nicht zerstören.

Leichtfüßig, klarsichtig deckt Fitzgerald auf, wie schal die Luft unter Neureichen und Altreichen ist: Sie investieren Gefühle, anstatt sie zu verschenken. Sie betrügen und hintergehen auch sich selbst. Unter all dem Glamour, den Exzessen ist Einsamkeit. Vor den Fassaden der Mächtigen herrscht Hochstapelei, aufgebaut auf Dreck und Ausbeutung. Und hinter dem Streben nach Ansehen, Ruhm und Geld, das alle Charaktere treibt, steht die schmerzvolle Erkenntnis, dass sich die Zeit nicht anhalten lässt. Die Vergangenheit ist unwiederbringlich vorbei – und doch kann ihr niemand entrinnen.

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